Homepage

 

 

 

Mikrocontroller   PCs — Embedded Electronics

Ideen — Projekte — Fachwissen 

 

 

 

 

System .005

 

 

 

 

 

 

 

 Home

 ReAl Computer Architecture

 Projekte

 Fachtexte

 Lehrarchiv

 Privatarchiv

 Die historische Webseite

 Impressum

 Kontakt

 Neuigkeiten

Die ersten Programme:

 

 

 

System .005

Entwicklung: 1978/79.

Vermutlich - bezogen auf Zeit und Gegend - der erste Heimcomputer, der offiziell entwickelt wurde. Was zur gleichen Zeit woanders gelaufen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls wurde das von weit oben so gewünscht und auch bezahlt - nebenberuflich als sog. Neuerervereinbarung. Wer sich auskennt, weiß Bescheid, wer nicht -- 's iss eh wurscht (Arno Schmidt).

Material kam allerdings kaum, kein  Z80, nicht einmal eine PIO. Was gestellt wurde, war ein Z80 Kit, irgendwoher beschafft. Eine Europaplatine mit einem kleinen Z80-SBC und einer Bedientafel (Siebensegmentanzeige, Hexadezimaltastatur usw.). Die gesamte übrige Hardware, die auf dem (einzigen) Bild zu sehen ist, wurde organisiert oder von wohlmeinenden Kollegen gespendet.

1 - Z80-Kit, 2 - Kassettenlaufwerk, 3 - Fernsehapparat (schwarz-weiß, was wohl sonst...), 4 - Joystick; 5- Schlüsselschalter (als Schutz gegen unbefugte Inbetriebnahme); 6 - Tastatur, 7 - Gehäuse.

Das Gehäuse war der Versuchsbau eines Büromaschinengehäuses, das nicht in Serie ging, die Tastatur war wohl von einer alten Bildschirmgeräteentwicklung übriggeblieben, der Joystick war noch viel älter (s. weiter unten).

Das Gehäuse hatte vier einschiebbare Griffe. Damit war das Gerät transportabel (vier Mann, vier Ecken). So wurde  auch diese Forderung der Aufgabenstellung erfüllt...

Immerhin war im Gehäuse viel Platz. Ohne hochintegrierte Schaltkreise wurde er auch gebraucht. Alle Schnittstellen zur Peripherie wurden mit TTL gebaut (Rasterplatinen). Videosubsystem mit Bildspeicher aus 4k DRAMs. Zur Stromversorgung mit 3 Betriebsspannungen wurde ein Labornetzgerät ins Gehäuse gestellt. Dann war auch noch Platz für eine weitere freundliche Spende, einen Lochstreifenleser. Der war auch sehr nötig. Die Speicherung auf Kassette war langsam und unzuverlässig. Auch war die Frage, wie man die Maschinenprogramme vom Entwicklungssystem oder aus dem Rechenzentrum (Cross-Assembler) in die Maschine bekommen sollte.

Ursprünglich wurde ein reines Spielgerät gewünscht, eine Art Konsole. Es wurde schnell kar, daß -- ohne entsprechende hochintegrierte Schaltkreise -- so etwas viel zu groß und zu teuer ausfallen würden. Es mußte also etwas Universelles werden, dessen Vielseitigkeit die Kosten irgendwie rechtfertigt. Also doch besser gleich ein richtiger Computer*, nicht nur zum Spielen, sondern frei programmierbar...

*: Der große Vorteil des Heimcomputers gegenüber der Spielkonsole: Man muß keine ausgefeilte Software mitliefern; der Käufer programmiert selbst. Womöglich übernimmt er vorher auch noch die Endmontage...

Eines der ersten Demonstrationsprogramme war tatsächlich ein Spiel; wie es sich von selbst versteht, ein ganz einfaches. Ein Labyrinth mußte auf Zeit durchlaufen werden, gesteuert mit dem Joystick oder den Cursortasten. Zeitanzeige am unteren Rand.

Von Anfang an war aber auch klar, daß wir etwas Substantielles demonstrieren müßten, etwas, wofür die Oberen vermutlich eher Geld lockermachen würden. Was liegt näher als die Anwendung als Lehrmittel, um sicherzugehen womöglich mit einem gewissen (para-) militärischen  Touch. Funkamateure unter den Kollegen kamen auf die Idee eines Morse-Trainers:

Der Startbildschirm:

Es können beliebige Zeichen eingetippt werden:

Daraus werden nach einem Zufallsverfahren Fünfergruppen erzeugt und akustisch mit einstellbarem Tempo ausgegeben. Der Hörende muß mitschreiben. Dann wird des Rätsels Lösung aufgeblendet:

Videoanzeige: Pixelgraphik rein schwarz-weiß. Schaltpläne nicht mehr vorhanden. Im  vorstehenden Screenshot erkennt man 12 Zeilen zu 25 Zeichen. Das sparsamste Zeichenraster ist 5 * 7, einbeschrieben in ein Rasterfeld 6 * 8 (also je 1 Pixel Abstand horizontal und vertikal). Das ergibt ein Raster von 150 * 96 Pixeln. Insgesamt sind das 14 400 Pixel. Mit einem Bit je Pixel braucht man dafür 1800 Bytes. Es paßt also in einen Bildspeicher aus 8 DRAMs 4k * 1.

Wir können übrigens auch kyrillisch morsen:

Eine weitere Demonstration sollte die Nutzbarkeit inb der Berufsausbildung veranschaulichen. Es sollte eine Art Trainer für NC-Maschinen werden. Hier können aus einem Rohling Drehteile hergestelllt werden. Kommandoeingabe über die Tastatur:

Der Joystick wurde von einem Kollegen aus Privatbesitz gespendet. So ein Wertobjekt schmeißt man nicht weg. Hier ein Test mehr als 30 Jahre später:

Und so sieht der Apparat* von innen aus:

*: Ein Trimmklappenschalter, womöglich aus der Siebel Si 204 (Zufallsfund im Internet). Es war schon eine Art Fly by Wire. Die Schraubklemmen erscheinen für den Verwendungszweck etwas abenteuerlich. Immerhin hatte die Si 204 auch bei total verstellter Trimmung noch beherrschbare Steuerdrücke (so jedenfalls steht's im Handbuch), deshalb wurden Backup- und Fail-Safe-Vorkehrungen als unnötig angesehen. Die Mühle kommt immer runter, auch wenn mal ein Draht locker wird oder bricht. BAL (der Stempel der Rückseite; s.  das unterste Bild) = Bauaufsicht Luft...

 

-- Fortsetzung --

 

 

 

 

Aktuelles:

18. 9. 2017

Seite aktualisiert.

Fortsetzung

Vorgänger und Nachfolger:

System .002b:

System .004:

System .011:

 

Bildquellen: Firmenprospekte / privat. Besseres nicht verfügbar...